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Der Vorschlag der EU, die Beschaffung von mehreren Lieferanten zu fördern, verdeutlicht einen wichtigen Wandel: Lieferketten sind nicht mehr nur ein logistisches Backoffice-Thema, sondern strategische Vermögenswerte, deren Resilienz für die Geschäftskontinuität und die wirtschaftliche Stabilität von entscheidender Bedeutung ist. Maßnahmen zur Förderung der Lieferantendiversifizierung können ein nützliches Instrument zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Lieferketten sein und dazu beitragen, das Risiko von Störungen zu mindern und die potenzielle Instrumentalisierung des Handels zu verringern. Derartige Maßnahmen sind am wirksamsten, wenn sie als Teil eines umfassenderen, auf Handlungsfähigkeit ausgerichteten Ansatzes umgesetzt werden.
Die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten ergibt sich aus Transparenz, Messbarkeit und operativer Bereitschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Um diese zu stärken, sollten Unternehmen ihre Lieferantennetzwerke durchgängig abbilden, einschließlich vorgelagerter Lieferanten und Rohstoffquellen, Knotenpunkte mit erhöhtem Risiko identifizieren und die potenziellen finanziellen sowie dienstleistungsbezogenen Auswirkungen von Störungen quantifizieren. Dies ermöglicht es Unternehmen, zeitlich realistische Wiederherstellungsziele für kritische Artikel festzulegen, Maßnahmen zur Risikominderung, die messbare Vorteile bringen, zu priorisieren, und Änderungen in den Bereichen Lagerbestand, Beschaffung oder Logistik auf der Grundlage eines klaren Business Case zu beschließen.
Zu den praktischen Maßnahmen, die eine nachhaltige Widerstandsfähigkeit fördern, gehören eine fortlaufende Transparenz entlang der Lieferkette, Szenario-basierte Stresstests, eine klare funktionsübergreifende Steuerung sowie Investitionen in Lösungen zur Entscheidungsunterstützung, die Risiken nahezu in Echtzeit aufzeigen. Operative Strategien wie Multi-Sourcing, strategische Lagerplatzierung, Nearshoring und alternative Materialien sind allesamt sinnvolle Maßnahmen, doch ihr Nutzen hängt davon ab, ob sie das Risiko im Verhältnis zu den Kosten wesentlich verringern.
Viele systemische Risiken liegen jenseits der obersten Ebene: Denn auch mehrere ausgewiesene Lieferanten können dieselben Rohstoffquellen, Verarbeitungsstandorte oder Transportengpässe nutzen. Chinas Kontrolle über die Lieferketten kritischer Graphit- und Batteriematerialien veranschaulicht diese Herausforderung. Pekings Exportkontrollen für natürlichen Flockengraphit, synthetischen Kugelgraphit und wichtige Anodenmaterialien zeigen, wie mehrere Lieferanten weiterhin von derselben vorgelagerten Quelle abhängig sein können. Eine Diversifizierung am oberen Ende der Lieferkette beseitigt nicht das Konzentrationsrisiko weiter unten.
Es ist unerlässlich, diese vorgelagerten Abhängigkeiten zu erkennen und anzugehen. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, bei Störungen schnell zu handeln, da eine zügige Erkennung und Behebung die Verluste erheblich verringern kann. Sowohl öffentliche als auch private Akteure müssen hier ihren Beitrag leisten. Eine verbesserte Markttransparenz, ein branchenweiter Datenaustausch und gezielte staatliche Unterstützung für kritische Vorleistungen können die Bemühungen der Unternehmen ergänzen und ein effektiveres Risikomanagement in großem Maßstab ermöglichen.
Dazu könnten Maßnahmen wie die Verkürzung der Reaktionszeiten in der Lieferkette gehören – eine Vorgehensweise, die in der Pharmaindustrie, wo die Versorgungskontinuität durch strukturierte Notfallplanung und schnelle Eskalationsprotokolle sichergestellt wird, bereits in fortgeschrittener Form etabliert ist. Dies könnte auch die Bewertung der finanziellen Auswirkungen bestimmter Risikoereignisse sowie die Entwicklung erprobter Krisenhandbücher umfassen, die alle Beteiligten entlang der gesamten Lieferkette einbeziehen.
Kurz gesagt: Die Lieferantendiversifizierung ist ein positiver Schritt, sollte jedoch Teil eines ganzheitlichen, datengestützten Risikomanagementrahmens sein, bei dem Transparenz, Messbarkeit, Vorsorge und schnelle Reaktion im Vordergrund stehen. Diese Fähigkeiten – und nicht eine einzelne Regel – machen Lieferketten wirklich widerstandsfähig, und sollten für Unternehmen, die langfristige Resilienz aufbauen wollen, das vorrangige Ziel bleiben.





