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23.04.2026 um 12:21 UhrDie Ära der globalisierten Lieferketten hat sich grundlegend gewandelt. Unternehmen reagieren auf die Herausforderungen der heutigen Zeit, indem sie ihre Produktionsstrategien überdenken. Anstelle von rein globalen Just-in-Time-Lieferketten setzen viele Firmen auf Nearshoring, Re-Industrialisierung oder regionale Partnerschaften. Diese Veränderungen führen zu komplexeren und teureren, aber auch widerstandsfähigeren Lieferketten. Der 20. Logistiktag der Kühne-Stiftung, der am 17. April 2026 an der Kühne Logistics University (KLU) in Hamburg stattfand, thematisierte diese Entwicklungen und die damit verbundenen neuen Anforderungen an Führungskräfte.
Führung in Zeiten der Unsicherheit
„Disruption ist nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm. Unternehmen brauchen Orientierung und Urteilsvermögen“, erklärte Prof. Dr. Andreas Kaplan, Präsident der KLU, in seiner Eröffnungsrede. Er betonte, dass die Logistikbranche traditionell gut darin sei, Zielkonflikte abzuwägen, etwa zwischen Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit oder Resilienz und Effizienz. In Zeiten von Unsicherheit seien die Verantwortlichen im Logistik- und Supply-Chain-Management besonders gefordert, diese Herausforderungen zu meistern.
Wandel der globalen Handelsstrukturen
In seiner Keynote skizzierte Prof. John Manners-Bell, Gründer der Foundation for Future Supply Chains und CEO von Ti Insight, einen Paradigmenwechsel in der globalen Lieferkettenstruktur. Er wies darauf hin, dass die globalen Lieferketten, die in der Vergangenheit Millionen Menschen aus der Armut befreit und das Wirtschaftswachstum gefördert haben, unter Druck geraten sind. Politische Spannungen und Handelskonflikte haben den Welthandel in den letzten Jahren stark beeinflusst. Manners-Bell stellte fest, dass Unternehmen zunehmend ihre Lieferketten umstrukturieren und alternative Modelle wie Re-Industrialisierung und Kreislaufwirtschaft in Betracht ziehen.
Die Zahlen belegen diesen Wandel: Chinesische Exporte in die USA sanken 2025 um 29,7 Prozent, während Exporte aus Südostasien um 28,9 Prozent stiegen. „Das ist kein Rückgang des Welthandels, sondern eine Umverteilung“, so Manners-Bell. Unternehmen reagieren aktiv auf die neuen Rahmenbedingungen und passen ihre Strategien entsprechend an.
Praktische Herausforderungen am Beispiel Nike
Ein konkretes Beispiel für die Auswirkungen dieser Veränderungen lieferte Manners-Bell anhand des Sportartikelherstellers Nike. Zölle auf chinesische Exporte führten zu Mehrkosten von rund einer Milliarde Dollar für das Unternehmen. Nike verlagert zunehmend seine Produktion nach Vietnam, Indonesien und auf die Philippinen, während der Anteil der Produktion in China sinkt. Manners-Bell erläuterte, dass Nike eine umfassende Transformation seiner Lieferkette plant und vor der Entscheidung steht, ob die Preise erhöht, die Produktion in andere asiatische Länder oder in die USA verlagert oder die Margen gesenkt werden sollen.
Neue Anforderungen an Führungskompetenzen
Dr. Niklas Wilmking, Geschäftsführer der Kühne-Stiftung, betonte, dass es in der heutigen Zeit nicht mehr nur darum gehe, Waren effizient zu bewegen. Vielmehr sei es entscheidend, strategische Ziele unter Unsicherheit umzusetzen. Die besten Führungskräfte werden laut Wilmking diejenigen sein, die Verantwortung für unsichtbare Strukturen und komplexe Zielkonflikte übernehmen. Er wies darauf hin, dass der Engpass künftig nicht mehr die Rechenleistung, sondern die Fähigkeit zur Priorisierung und Verantwortlichkeit in der Führung sein wird.
Der Logistiktag der Kühne-Stiftung, der in Zusammenarbeit mit HELP Logistics und dem Kuehne Climate Center stattfand, bot mehr als 200 Teilnehmenden die Möglichkeit, in spezialisierten Sessions über Themen wie KI in der Supply-Chain-Planung, CO₂-Entnahme-Technologien und die Rolle von Elektro-Lkw in Afrika zu diskutieren. Ein zentrales Anliegen war die Frage, wie Unternehmen Resilienz und Nachhaltigkeit miteinander vereinbaren können, ohne dass die Kosten in die Höhe schnellen.




