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09.03.2026 um 20:51 UhrDie Thematik des Diebstahls von Waren und der Identitätsfälschung von Transportunternehmen in Europa hat erneut an Bedeutung gewonnen. Die Rumänische Spediteure-Vereinigung (USER) hat diese Problematik auf die Agenda von CLECAT, EUROPOL und der Europäischen Kommission gebracht. Der Anstieg solcher kriminellen Aktivitäten stellt eine wachsende Bedrohung für die europäischen Logistikketten dar, sowohl in Bezug auf die Häufigkeit als auch auf die finanziellen Auswirkungen.
Die Entwicklung krimineller Methoden, die Digitalisierung von Transportvorgängen und der zunehmende Druck von Versicherern führen zu steigenden operationellen und haftungsrechtlichen Risiken für Speditionsunternehmen. USER, als Mitglied von CLECAT und Vertreter des rumänischen Speditionssektors auf europäischer Ebene, hat die Rückkehr dieses Themas auf die Agenda von CLECAT initiiert. Dies geschah durch die Präsentation von Fallstudien, Analysen und beobachteten Trends auf den Treffen des Supply Chain Security Institute. Infolge der Initiativen von USER, die von anderen Mitgliedsverbänden unterstützt wurden, startete CLECAT einen koordinierten Analyse- und Aktionsprozess auf europäischer Ebene in Bezug auf den Diebstahl von Fracht.
Europäischer Kongress zur Bekämpfung von Frachtkriminalität
Diese Themen werden ausführlich beim Europäischen Kongress der Spediteure diskutiert, der von USER unter dem Dach der FIATA in Bukarest vom 18. bis 20. Mai 2026 organisiert wird. Ein Diskussionspanel mit dem Titel „Sicherheit, Risiko und Compliance – Bekämpfung von Betrug und Kriminalität in der Lieferkette“ wird von Fachleuten relevanter nationaler und internationaler Organisationen und Unternehmen geleitet, darunter FIATA, CLECAT, EUROPOL und TAPA EMEA.
Die Analyse von CLECAT bestätigt, dass sich der Diebstahl von Fracht zu einer Form von organisierter, digitalisierter und grenzüberschreitender Kriminalität entwickelt hat. Während Diebstähle aus geparkten Fahrzeugen nach wie vor am häufigsten vorkommen, entstehen die grössten Verluste durch ausgeklügelte Logistikbetrügereien. Dazu gehören unter anderem der betrügerische Einsatz von Transportbörsen und digitalen Plattformen sowie „Fake Carrier“-Schemen, bei denen Lasten ohne Gewaltanwendung vollständig entführt werden.
Aktuelle Daten aus Deutschland zeigen, dass in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 insgesamt 88 Fälle von „Fake Carriers“ registriert wurden, die zu einem Gesamtschaden von etwa 18 Mio. EUR führten, wobei der durchschnittliche Verlust pro Vorfall bei rund 200.000 EUR lag.
Versicherungsdruck und rechtliche Herausforderungen
USER weist, in Übereinstimmung mit der Analyse von CLECAT, auf den zunehmenden Druck der Versicherer hin, Risiken auf die Speditionsunternehmen zu übertragen. Dies geschieht durch erweiterte Klauseln zu „grober Fahrlässigkeit“, verpflichtende Prüfungschecklisten und die Bedingung, dass Entschädigungen an detaillierte Betriebsabläufe geknüpft werden. Diese Anforderungen gestalten sich in der Praxis, insbesondere für KMU, als schwierig umsetzbar und können zu einer unverhältnismässigen Umverteilung der Haftung in der Logistikkette führen.
Die Bekämpfung des Frachtdiebstahls erfordert einen einheitlichen europäischen Ansatz, da es sich um ein grenzüberschreitendes Phänomen handelt. Die Reaktion der Behörden bleibt jedoch fragmentiert. Es mangelt an harmonisierten europäischen Statistiken, es bestehen ungleiche Polizeiexpertisen zwischen den Staaten, langsame Kooperations- und Rückgewinnungsmechanismen sowie eine begrenzte Nutzung vorhandener Daten.
USER unterstützt die Position von CLECAT, dass Frachtdiebstahl als eine Form von organisierter Kriminalität behandelt werden sollte, indem die Zusammenarbeit zwischen den Behörden gestärkt wird, anstatt neue Compliance-Verpflichtungen für legitime Betreiber einzuführen.
Koordinierte europäische Massnahmen
Infolge der Initiativen von USER und den Beiträgen anderer Mitglieder hat CLECAT beschlossen, koordinierte Massnahmen auf europäischer Ebene zu ergreifen. Dazu gehören die Sensibilisierung der Akteure in der Logistikkette, ein strukturierter Austausch von Informationen über Risiken und Vorgehensweisen, die Entwicklung eines pragmatischen europäischen Leitfadens zu bewährten Praktiken sowie der Dialog mit digitalen Plattformen und der Versicherungsbranche. Zudem wird die Einbindung von EU-Institutionen und die Förderung detaillierter nationaler Statistiken über Frachtdiebstahl angestrebt.





